Buchhandel

Trollmission und der Börsenverein

  • 28. April 2014

trollmissionLustig… kaum deutet man auf der Facebookseite des Börsenverein des Deutschen Buchhandels mal kurz dezent an, dass man der Meinung ist, dass es, anlässlich der neuen Besteuerung von 7% statt 19 % für eBooks nun ja auch an der Zeit wäre, die Buchpreisbindung mal zu überdenkent, wird man dort vom Redakteur für Web & Social Media sofort als Troll bezeichnet …. eieiei…. das sagt soooo viel über diese Institution aus….

Der Börsenverein Berlin-Brandenburg schreibt auf seiner Webseite:

Bücher haben feste Preise…
und das hat für Buch- und Medienbegeisterte, für Informationshungrige und LeserInnen enorme Vorteile. Sie haben Zugriff auf ein engmaschiges Netz »geistiger Tankstellen«: Allein in der Stadt Berlin gibt es über 300 Buchhandlungen! Dort erhalten Sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, innerhalb von 24 Stunden jedes von Ihnen gewünschte, lieferbare Buch (oder Medium). Daneben finden Sie in dieser Vielfalt der Buchhandlungen auch die Vielfalt von Ideen, Informationen, Geschichten abgebildet, die in Büchern transportiert werden […]

Von wegen!
Das „engmaschige Tankstellennetz“ ist dank dem Internet noch engmaschiger geworden und hat und wird weiter durch die Verbreitung von eReadern die bisherigen „Tankstellen“ ersetzen. Weiter war der Text von 2002 und ich glaube nicht, dass es in Berlin noch 300 Buchhandlungen aktuell gibt, man belehre mich eines besseren… und zeige mir deren Jahresberichte… eBooks erhalte ich in unter 24 Sekunden… und Vielfalt von Ideen, Informationen, Geschichte… naja, das ist alles nur ein einziger Klick weit entfernt hier im Netz… und oft ist die Beratung in Buchforen oder die Social-Web Funktionen bei Buchplattformen deutlich nützlicher als die direkte „Beratung“ der Verkäufer in Buchhandlungen.
in Zeiten des Web 2.0 tatsächlich noch zu behaupten Ideen, Informationen und Geschichte am besten, einfachsten und schnellsten via Buchhändler zu bekommen halte ich für einen wirklich großen Witz… mit viel Anlauf 🙂

Betrachtet man die Umsatzzahlen des Print-Buchhandels im 1. Quartal 2014 so sind diese katastrophal. Die Experten des Börsenverein sind der Meinung, daran sei wohl Ostern und der Karnevall schuld… Die ganze Story und die viel wahrscheinlicheren gründe über den Umsatzeinbruch von 19% im Print-Buchhandel lest ihr HIER: Ostern und Karneval ist 2014 an den katastophalen Umsatzzahlen im Buchhandel schuld!

Das „Kulturgut Buch“ ist der Inhalt und nicht der Container, daher das Papier auf dem der Inhalt steht.
Inhalte müssen geschützt werden und das geht heutzutage nunmal digital besser als gedruckt.

Szenario: Wir wollen in Afrika Schulen mit Bildung ausstatten… was ist günstiger… ne Ladung Kindles hinschicken voll gefüllt mit kulturell nützlicher und hochwertiger Literatur… so 100 Bücher und mehr, von Göthe über Do It Yourself bis hin zu medizinischen Ersthilfe-Büchern, Survivel-Material, Bauanleitungen und Lernmaterial usw… oder aber ein Schiffkontainer voll veralteter nicht mehr benötigter aussortierter Bücher…  Und wer schon mal in Afrika war ,dem ist bewusst, dass das Aufladen der Kindles dort kein Problem ist (davion abgesehen, dass meiner gut 1 Monat Nutzung durchhält ohne an die Steckdose zu müssen)… so hatte ich mit meinem Kindle 3G in ganz Tansania durchweg mobiles Netz und hätte mir jedenzeit von amazon neue Bücher laden können… und selbst die ärmsten Familien die sonst nichts besitzen haben mindestens ein Handy in der Hütte… dank vorbildlicher Entwicklungshilfe von Vodacon kann man dort quasi kostenlos flächendeckend telefonieren… Ich finde dieses Beispiel zeigt schön, was digital eigentlich im Vergleich zu nem Haufen Papier bewirken kann und aktuell schon tut. Dazu kommt das KO-Kriterium schlechthin… mit meinem Kindle 3G hatte ich in ganz Afrika, zwar langsam, aber immerhin jederzeit von fast überall Zugriff auf das englischsprachige Wikipedia und Amazon. Kostenlos. WOW!!! Welches Buch soll da bitte mithalten? Wie kann Entwicklungshilfe besser aussehen als durch Bildung und Zugang zu (unbegrenztem), stets aktuellem) Wissen?

Es kommt auf den Inhalt an, nicht die Verpackung und das Containerformat!
Content is king!

 


Update 28. April 13:00

Da haben mich wohl die Emotionen übermannt bzw. die Antwort falsch verstanden, so ganz böse war es wohl doch nicht vom Redakteur gemeint, eher augenzwinkernd.
Trozdem bleibt es spannend und ich hoffe auf fruchtbare Diskussionen. Bin gespannt welche Position der Börsenverein 2014 bezieht und der obige Text von 2002 noch der aktuellen Weltanschauung entspricht.

 



%d Bloggern gefällt das: