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Stuttgarter Zeitung und Digital ein Desaster…

  • 17. April 2014

Eigentlich hatte ich ich mich ja gefreut als mir mein Ipad unter den Punkt „in der Nähe“ die App der Stuttgarter Zeitung empfahl. Also hops auf „Installieren“  gedrückt und sich die Porbeausgabe heruntergeladen. Dann kam auch schon, wie zu erwarten war die große Enttäuschung. Wie konnte ich auch nur für eine Sekunde hoffen von diesem Verlag etwa für das iPad aufbereitete Inhalte zubekommen oder gar eine nutzerfreundliche Menüführung.

Ach es ist ja zum verrückt werden, es ist ja nicht so als gäbe es von der Konkurrenz nicht schon einige hervorragende Zeitungs-Apps. Die es schaffen die Inhalte auf den „ach so neuen“ mobilen Endgeräten schön darzustellen.

Wie denen bewusst ist die hier regelmäßig lesen sind wir keine großen Freunde von Springer aber hier muss ich sagen liebe Stuttgarter schaut mal nach Berlin so macht man heute Multichannel-Publishing. Betrachtet man die App der Stuttgarter Zeitung und die der Welt nebeneinander so hat man den Eindruck die Stuttgarter seien auf dem Stand von 2001, was wie später noch erklärt auch stimmt. Während die App der Welt für das Lesen auf dem Tablet hervorragend angepasst ist und es hier wirklich Spaß macht die App-Ausgabe zu nutzen, habe ich bei den  Stuttgartern den Eindruck das sie nichts weiter tun als ihr PDF hoch zu laden und dann lieblos und ohne an die Usability zudenken noch den reinen Fließtext zu integrieren. Auch ist es offenbar vollkommen unbekannt das es die Möglichkeit gibt dem iPad Steuerbefehle zusenden, denn meins verabschiedet sich alle drei Minuten in den Ruhezustand, was beim Lesen echt stört. Auch der Rest der App wirkt wie aus lange vergangene Zeiten der ersten Webseiten.

Aber warum ist es anscheinend bei den Schwaben nicht möglich vernünftig digital zu publizieren? Soll ich es euch sagen? Ganz einfach man müsste sich ja mal mit seiner bestehenden Technologie auseinander setzen.

Zum Hintergrund während meines Masterstudiums an der HDM Stuttgart  gab es die Projektausschreibung eine Lese-App für die Zeitungsgruppe zu konzipieren, wohl gemerkt bevor Springer seine veröffentlicht hatte. Diese Projekt fand auch großen Zuspruch und 12 Studenten aus allen Disziplinen der Hochschule fanden sich zusammen um dies umzusetzen. Es hat allen Beteiligten viel Zeit und viele schlaflose Nächte gekostet um in den sehr knappen 4 1/2 Monaten von 0 eine schöne App zubauen. Diese hatte in etwa die Funktionen die jetzt auch die Welt-App hat.

Sprich:

  • Dynamische Darstellung die sich für jedes Anzeigegerät selbstständig optimiert
  •  Volle Umsetzung mit Javascript, Html5 und CSS3
  • Geräte abhängiger Seitenumbruch
  • Selbstständige Erstellung von Teasertexten
  • Lesezeitangabe
  • Automatischer Download
  • Optimierte Usability für das Lesen unterwegs
  • Einbindung von Multimedia-Inhalten
  • Speichern von einzelnen Berichten
  • Teilen von Inhalten mit Freunden (So wie man früher oft eine Artikel ausgeschnitten hat…)

Nun warum sieht die jetzige App nicht so aus?
Als wir die App der Zeitung vorstellten kamen wir auch mit einer überschaubaren Liste an Forderungen was die Technik betrifft. Was war los?

Nun ja der Workflow der Stuttgarter Zeitung ist nunmal „print first“*1, dies bedeutet die App hätte ihren Inhalt aus den für den Druck verwendeten Daten beziehen müssen, so wie es auch die aktuelle tut. Neben der Druck-PDF hätte man nur noch den reinen Fließtext aus dem ,veraltetem Redaktionsystem „Hermes“, bekommen. Leider ergibt dies riesige Probleme.  Den somit ist es z.B. nicht möglich die Fotos auch den richtigen Artikeln zuzuordnen. Da diese auch im System nicht maschinell lesbar den Artikeln zugeordnet sind. Sprich wie soll ohne semantische Aufbereitung eine App automatisch bestückt werden? Einige meiner Kollegen haben damals extra einen Algorithmus  geschrieben der versucht hat anhand der Bildplatzierung auf der Seite das Bild zuzuordnen . Trotz der vielen Arbeit scheiterte dies jedoch an der Tatsache das es im Layout der Zeitung keinerlei feste Regeln für die Platzierung gab. Das selbe gilt übrigens auch für Teasertexte und wenn ein Artikel über zwei Seiten läuft.

Letzter Stand war also dass eine App da war die den Ansprüchen der heutigen Leser wahrscheinlich entsprochen hätte aber da das Redaktionssystem nicht in der Lage ist strukturell sinnige XML Daten zuliefern. So war es nur händisch möglich die Inhalte zu übertragen. Das letzte was wir von der Stuttgarter Zeitung gehört haben war dass sie sich dies nun vornehmen möchten. Leider ist dies wohl bisher nicht erfolgt.

Ob dies, wie aus internen Quellen berichtet, wohl an der schlechten internen Finanzlage liegt, die durch die totale Fehlplanung mit dem überdimensionierten Druckzentrum zusammen häng ist nur Spekulation.

 

*1 ja Computer und CMS sind ja auch nur ne Modeerscheinung grrrrrrr….. und das Internet wird eh  bald wegen mangelndem Interesse geschlossen …lsst uns Steintafel kaufen…

Text: Marco VolzVerleger
Foto: Daniel Schneider

 

 



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