Allgemein

Social Media Guidelines im Rahmen des Social Media Marketings

  • 17. Februar 2014

So wie die Regelung der (privaten) Nutzung des Internets und von E-Mails bei vielen Unternehmen selbstverständlich ist, so elementar sollte für mittlere
und größere Unternehmen schon heute die Regelung des Umgangs mit
dem Social Web sein.
Dr. Carsten Ulbricht[1]

 

1.    Social Media Guidelines

1.1  Social Media-Marketing

Die Social Media bieten Unternehmen heute die Chance, sehr kostengünstig, direkt mit ihren Kunden und der Gesellschaft zu interagieren. So ist es möglich auf Kundenwünsche zu reagieren und Probleme frühzeitig aufzudecken. Auch lassen sich über die verschiedenen Social Media Anwendungen auch Neukunden anhand deren Vorlieben und Interessen ansprechen.[2]

1.2  Regelungsbedürfnis für Unternehmen

Social Media bieten dem Unternehmen große Vorteile. Doch gerade wegen dieser Vorteile nutzen auch die eigenen Mitarbeiter diese Anwendungen im Privatleben und vermehrt bereits zur inoffiziellen Geschäftskommunikation.
Hieraus ergeben sich natürlich Konflikte zwischen Privatnutzung und den Interessen des Unternehmens, diese werden noch verstärkt wenn nun auch die Mitarbeiter dienstlich sich im Sozialen Netz aufhalten. Gerade die Verschmelzung der privaten und der dienstlichen Nutzung birgt Risiken. Welche Inhalte fallen hier noch unter den Begriff „Meinungsfreiheit“ und welche schaden dem Unternehmen, weil der Mitarbeiter natürlich mit diesem in Verbindung steht.  Auch sollte das Themengebiet der Arbeitszeit nicht vernachlässigt werden. Wie lassen sich hier die Social Media so berücksichtigen, dass der Wissensarbeiter von heute ihre Vorteile während der Arbeit nutzt, aber nicht zu viel Arbeitszeit bei der nicht dienstlichen Nutzung vergeudet.[3]

 

1.3  Inhalt und Zielsetzung

Ziele einer jeden Social Media Guideline sollten folgende Punkte sein.[4]

  • Die Eigenverantwortung des Mitarbeiters erklären.
  • Allgemeine Hinweise zur Kommunikationsweise im Internet (Netikette).
  • Plicht zur Kenntlichmachung der eigenen Meinung bzw. Abgrenzung zum Unternehmen.
  • Transparenz, die Verwendung von Realnamen (zum Beispiel).
  • Hinweise auf das Urheberrecht und weitere gesetzliche Bestimmungen(z.B. Sonderfall: Arzneimittelwerbegesetz).
  • Klare Strategie des Unternehmens im Social Web und die Erwartungen an den Mitarbeiter.
  • Regeln in wie weit die private Nutzung während der Arbeitszeit gestattet ist.
  • Ansprechpartner für Fragen und Sonderfälle benennen.
  • Rechtsfolgen bei Verstößen gegen die Guidelines definieren.
  • Hinweise auf Sicherheitsaspekte

 

2.     Rechtliche Aspekte[5]

2.1  Mitbestimmung

Bei Social Media Guidelines hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht. Hier sollte eine Guideline nicht nur mit dem Betriebsrat sondern unter Einbeziehung aller Mitarbeiter erarbeitet werden. Rechtlich sollte diese als zu unterschreibende Betriebsvereinbarung gesehen werden.

2.2  Formulierung

Die Formulierung von solchen Guidelines sollte sich nicht wie die eines rechtswissenschaftlichen Werkes lesen sondern für alle Mitarbeiter gut und unmissverständlich zu verstehen sein. Auch muss zu den jeweiligen Punkt jeweils ein Ansprechpartner benannt  sein.

2.3  Überschneidungen

In der modernen Arbeitswelt kann es vorkommen dass eine Social Media Guideline sich mit Punkten anderer Betriebsvereinbarungen überschneidet oder sogar diesen wiederspricht. Hier sollten vor der verbindlichen Einführung Betriebsvereinbarungen, wie etwa über die Nutzung des Internets, überprüft werden und gegebenen falls geändert werden.

2.4  Verbindlichkeit / Sanktionen

In den Medien ist immer wieder von Abmahnungen und Kündigungen die Rede die ihre Ursache in den Sozialen Medien haben. Zwar geben Social Media Guidelines einem Unternehmen und auch den Mitarbeitern mehr Rechtssicherheit, doch sind diese auch nicht in allen Punkten unumstritten.
Dies möchte ich am folgenden fiktiven Fall erläutern.

Ein Mitarbeiter eines Automobilkonzerns äußert auf seinem privaten Blog dass er der Meinung sei im Unternehmen würde nicht genug für den Umweltschutz getan.

Nun ist diese Äußerung sicher nicht im Sinne des Unternehmens aber ist diese dann auch gleich zu Sanktionieren? Hierzu müssen folgende Punkte beachtet werden.

  1. Fällt die Äußerung unter die Meinungsfreiheit?
    + Ja da  er auf seinen privaten Blog geschrieben hat und er keine Unwahrheiten oder direkte Angriffe auf das Unternehmen verbreitet.
  2.  Verletzt er seine Treuepflicht?
    + Wenn er diese Meinung während der Arbeitszeit verbreiten würde ja. Da er seine Arbeitskraft während dieser Zeit in den Dienst des Unternehmens und seiner Interessen zustellen hat.
    – Wenn er es in der Freizeit geschrieben hat.
  3. Verstößt er gegen die Guidelines?

– nein weil Guidelines nicht die Meinungsfreiheit beschneiden dürfen.

2.5  Arbeitsvertrag

Für neue Mitarbeiter oder bei Änderungsverträgen sollten diese Guidelines sich auch im Arbeitsvertrag wiederfinden oder zumindest ein Hinweis auf ihre Verbindlichkeit.

 

3.     Fazit / Handlungsempfehlung[6]

Für große und mittlere Unternehmen sind solche Regelungen sehr sinnvoll in kleinen können die Mitarbeiter auch noch direkt auf die Chancen und Risiken der Social Media angesprochen werden.

Da jedes Unternehmen anders ist, ist es nicht zu empfehlen eine vorgefertigte Guideline zu übernehmen. Diese sollte von einem Team das aus Marketing, Vertrieb und der Rechtsabteilung zusammen gestellt ist erarbeitet werden und unter Miteinbeziehung der Mitarbeiter eingeführt werden. Auch sollte der zeitliche Aufwand für das Social Media Marketing bei den betreffenden Mitarbeitern richtig eingeschätzt werden da ohne die nötige Kapazität diese Aktionen wirkungslos bleiben.

 

4.     Literatur / Quellenverzeichnis

  1. Erik Quaalman, Socialnomics, 1. Auflage, bei mitp 2010 www.socialnomics.net
  2. Marcel Bernet, Social Media in der Medienarbeit, 1. Auflage, bei VS Verlag 2010
  3. BITKOM, Social Media Guidelines Tipps für Unternehmen, Bitcom.org, 2010
  4. Dr. Carsten Ulbricht, Kanzlei Diem & Partner Stuttgart, www.rechtzweinull.de, Social Media Guidelines & Recht


[1]  Dr. Carsten Ulbricht, Kanzlei Diem & Partner, Stuttgart

[2] vgl. Socialnomics Kapitel 1 u. Social Media in der Medienarbeit Kapitel 2.3-2.6

[3] vgl. Dr. Ulbricht, Social Media Guidelines & Recht Teil 1

[4] vgl. Dr. Ulbricht  Social Media Guidelines & Recht  Teil 1 & 2 und
BITKOM, Social Media Guidelines Tipps für Unternehmen

[5] vgl. Dr. Ulbricht  Social Media Guidelines & Recht  Teil 3

[6] vgl. Dr. Ulbricht  Social Media Guidelines & Recht  Teil 3 und
BITKOM, Social Media Guidelines Tipps für Unternehmen



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