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Fällt die Buchpreisbindung oder ist sie das vielleicht schon? Wäre es wirklich ein Verlust, wenn es sie nicht mehr gäbe?

  • 19. Mai 2014
Wütende Verlagesangestellte brennen Amazon nieder

Verlage gehen auf die Barrikaden

Oh je, das böse Thema, werden nun wieder viele aus der Verlagswelt denken.

Sobald man in unserer Branche die Buchpreisbindung nur anspricht, fühlt man sich schnell an das Mittelalter erinnert. Man sieht schon vor dem inneren Auge, wie die Mistgabeln herausgeholt werden und sich ein wütender Mob mit Fackeln auf den Weg macht.

Doch wie sieht die Realität aus? Während hierzulande die Wahrnehmung domminiert, dass die Buchpreisbindung unantastbar sei, sägen in Wirklichkeit selbst die bisherigen Verteidiger fleißig an ihr. Denn der Abschluss eines Freihandelsabkommen mit den USA würde es quasi unmöglich machen, sie auf Dauer zuhalten, da diese ansonsten die Buchhandlungen mehr behindert als stützt.

Wie äh, warum?

Naja während momentan jeder Händler egal wie groß er auch sein mag, die selben Preise für Bücher hat, ja auch eBooks, würde es plötzlich möglich unter den Deckmantel des Freihandelsabkommen diese direkt aus dem Ausland zu verkaufen. Dank Errungenschaften wie Paypal etc. ist dass ja auch keine Problem mehr. Und prompt wäre die Buchpreisbindung für eBooks ausgehebelt.

Somit wäre ja auch die Situation für die Buchhändler eine andere, denn diese stünden plötzlich in Preiskonkurrenz zu den viel billigeren ausländischen eBooks, die quasi als Reimport zurück über die Grenze kommen. Tja und nun könnten Sie dank der Buchpreisbindung nicht nachziehen und wie sich das Geschäft dann wohl verlagert dürfte ja jedem klar sein.

Also erleben wir bald die Zeit, wo selbst der stationäre Buchhandel nach dem Aus für die Buchpreisbindung schreit oder gibt es noch einen Ausweg?

Während die französische Regierung explizit Kulturgüter aus dem Abkommen ausklammern möchte, hat unsere „US-Außenstelle“ dies selbst verständlich nicht getan.

Wie geht es also weiter? Nunja wie wäre es, wenn wir von anderen lernen würden (klingt ja so einfach, hat aber bei Verlagen noch nie funktioniert. Die sind ja immer was Besonderes und Marktwirtschaft gilt ja nicht für sie).

Die Musikindustrie konnte man bis vor wenigen Jahren quasi abschreiben. Hier haben sich nun die neuen Modelle sehr erfolgreich durchgesetzt. Also mit den Musikstreamingdiensten konnte diese Branche die Trendwende erreichen. Wie bei allen digitalen Medien, gilt auch hier der Grundsatz „Solange es einfacher ist Inhalte als Raubkopie zubekommen als sie legal zu erwerben, solange wird dies auch den Markt zerstören“ . Also sind solche Lösungen, dass man das eBook nur im Bundle mit der Printausgabe bekommt, zum Scheitern verurteilt. Bei mir sähe das wie folgt aus, wenn ich nur ein Buch so bekäme, würde ich es mir wohl bestellen, das eBook auf meinen Reader spielen und die Printausgabe ohne Umwege in ein Gebrauchtbuchportal stellen. Somit wäre der Markt auch schon genug geschädigt, denn gebrauchte Bücher bekommt man ja quasi für Lau. Oder ich würde mir einfach das eBook von einem dieser Portale mit der Domainendung „.to“ holen, weil mir der Versand zulange dauern würde (ich möchte betonen nicht der Preis ist für die breite Masse Ausschlag gebend, sondern nur der Komfort und ein eBook hat binnen von 10 Sekunden auf meinem Reader zu sein wenn ich es haben will!).

 

Für Bücher sehe ich Dienste wie z.B. Skoobe als die Zukunft. Denn diese sind ja bereits explizit von der Buchpreisbindung ausgeklammert.

Aber seien wir mal realistisch, die meisten Verlage werden sich wieder einmal für etwas „Besonderes“ halten und erst etwas unternehmen oder ihr Geschäftsmodell in Fragestellen wenn der Insolvenzverwalter an der Türe steht. An euch in diesen Verlagen richte ich folgenden Appell:

„Bücher sind nur ein Produkt wie jedes andere auch und Papier nur ein Medium das jeder Zeit ersetzt werden kann. Ihr würdet doch auch keinen Röhrenfernseher mehr kaufen, oder? Nur weil euch die Haptik besser gefällt?

Also macht die Fackeln aus und überlegt gemeinsam wie ihr den Sprung schafft bevor ihr dazu gezwungen werdet! Denkt immer daran Amazon und Apple schlucken die meisten von euch aus ihrer Portokasse bzw. holen sich gleich eure Autoren“

 

Marco Volz



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