Buchhandel

Der stationäre Buchhandel und Amazon erklären sich solidarisch und setzen Verleger gemeinsam unter Druck… ist das denkbar?

  • 22. Mai 2014

Bei der aktuellen Debatte zwischen Amazon, den Verlegern und dem stationären Buchhandel haben wir uns mal ein ganz neues Szenario überlegt….fuehrung-prozesse-im-verkauf-und-vertrieb

Amazon bestreikt aktuell einzele Verlage um bessere Konditionen zu erreichen.
Was wäre denn wenn der stationäre Buchhandel hier mitziehen würde. Eine ganz neue Strategie?
Wir haben das Gefühl die Verlagshäuser nutzen den stationären buchhandel als Prellbock und Kampfzone gegen Amazon.

Folgendes Gedankenexperiment:
Der stationäre Buchhandel nimmt alle aktuellen Titel der von Amazon bestreikten Verlage ebenfalls aus dem Sortiment und kann diese ebenfalls nur „verzögert“ liefern bzw. verkauft diese Titel einfach vorerst nicht mehr mit dem Ziel Druck auf die Verlage auszuüben, künftig die selben Konditionen wie Amazon zu bekommen.

Viele Verlage und Zwischenbuchhändler haben Ihre Seele schon vor längerer Zeit an Amazon verkauft und Amazon stellt für diese Unternehmen ein wichtiges Standbein dar. Anders gesagt: Verleger und Barsortimenter haben vor einigen Jahren damit begonnen auf das Amazon-Pferd zu setzen und zu wetten… und den stationären Buchhandel zunehmend aus den Augen verloren.  Jetzt allerdings haben die Verleger Amazon in eine Machtsituation erhoben, in welcher Amazon nach Lust und Laune tun und lassen kann, was sie wollen. Was wirklich lustige ist…. jetzt, wo einzelne Verlage von Amazon unter Druck kommen, springt der stationäre Buchhandel ein, schreibt offene Briefe und schimpft auf Amazon und stärkt den Verlagen den Rücken…  ist das nicht etwas vergebene Liebesmühe?

Was also wenn der Buchhandel mitzieht, den Druck auf die Verleger erhöht. Genau zwei Dinge werden passieren:
1. die Verlage werden plötzlich eine erhöhte Motivation haben das Problem zu lösen statt das Problem an die Buchhändler abzugeben und diese die Protest-Arbeit erledigen zu lassen
2. der stationäre Buchhandel zeigt nach Jahrzehnten der Schwäche und Abhänigkeit (?) von den Verlagen Profil und Stärke und siganlisiert: Dies ist eine Marktwirtschaft und auch wir wissen wie man dieses Spiel spielt.

 

Knicken die Verlage ein, bekommt der Buchhandel künftig bessere Konditionen und so lang ersehnte Mehreinnahmen und höhere Rentabilität. Die Kosten entstehen auf Verlagsseite, was diese zwingt antiquierte Prozesse Infrastrukturen und Geschäftsmodelle neu zu bewerten und endlich in 2014 anzukommen. Denn hat man etwas Einblick in das Verlagshandwerk, und das haben wir, dann wird dort Geld oft Scheiterhaufenartig verbrannt und an Stellen investiert die dem Verlag, kaum aber den Buchhändlern zugute kommen. Hier sind die „Guten“ noch eher zB KNV welche zwar oft nicht die besten aber immerhin umfangreiche Service-Lösungen für den Buchhandel anbieten.

Die zweite Möglichkeit ist, durch den zusätzlichen Druck der Buchhandlungen kommen die Verleger vielleicht mehr in die Puschen und hören auf halbherzig gegen Amazon zu wettern und den stationären Buchhandel als Prellbock und Kampfzone vorzuschieben und beziehen eine klare Stellung. Und dann profitiert die ganze Branche, denn ein Sieg gegen amazon bedeutet ein Sieg für die Buchbranche in Deutschland.

Ok, jetzt darf gerne jeder „so ein BuLlshit“ rufen…  macht nix, wenigstens glauben wir aber, dass diese Idee einmal aufgekommen und disskutiert werden sollte…

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Hintergrund zu diesem Hirn-Experiment ist für uns, was mit der Musikindustrie passiert ist:
Mit aufkommen von iTunes sind alle großen Labels mit Apple ins Bett gestiegen… und dass zum Vorteil des Users. Ich bin mir sicher, dass in den Manager-Büros der großen Verlagshäuser… genau diese mit denen sich Amazon gerade anlegt…  über ähnliche Wege auch für den Buchbereich zumindest nachgedacht wird und abgewogen wird: was geht und was geht nicht. Unter dem Strich geht es (in den meisten Fällen) wohl ums Geld, auf Verlagsseite vielleicht sogar mehr als auf der Buchhändlerseite, wo der Leser mehr im Fokus steht. Es ist doch nur legitim als stationärer Buchhandel auch mal den „dunkeln Pfad zumindest mit einem „waswärewenn“ durchzudenken?

Daniel Schneider

 



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