Fachartikel

Der 5-Punkte-Plan: Vom Loser-Verlag zum digitalen Zukunftsunternehmen

  • 31. Januar 2014

Der 5-Punkte-Plan soll eine Art Orientierungshilfe und Projektziele für Verlage auf dem Weg der Weiter oder Neuentwicklung einer digitalen Zeitschrift darstellen.

Verleger in der Steinzeit 1. Erstellungsprozesse und Strukturen neu definieren

Eine digitale Zeitschrift  hat mit bestehenden Print-Produkten kaum etwas gemein. Es wird empfohlen, den zukünftigen Erstellungsprozess von Inhalten medien- und plattformneutral zu erstellen. Stichwort hier ist XML. Dem XML-basierten Erstellungsprozess in den Redaktionen folgt ein nachgestelltes Content-Management. Hier werden die universellen Inhalte auf die Endformate zugeschnitten und aufbereitet. Dies kann in weiten Teilen automatisiert erfolgen, gerade aber beispielsweise gestalterische Arbeiten für die gedruckte Ausgabe müssen auch weiterhin von einem Grafiker durchgeführt werden.
Der XML-basierte Workflow erlaubt, dass erstellte Inhalte auf dem jeweils verwendeten Endgerät optimal abgerufen, dargestellt und bedient werden können. Stichwort ist hier die Crossmedialität von einmal erstellten Inhalten.
Durch die Umstellung des Workflows entstehen keine Risiken für Print, da für crossmediales Publishing erstellte medienneutrale Daten auch weiterhin und ohne Einschränkungen für Print verwendet werden können. Zusammengefasst schreibt ein Redakteur zukünftig nicht mehr alleine für die gedruckte oder digitale Ausgabe sondern produziert für alle möglichen Ausgabeformen. Selbiges gilt für Fotografen und Videografen.

2. Multiple Zielgruppen digital ansprechen

Traditionell wird eine Zeitschrift für eine Kernzielgruppe erstellt. Daher die Inhalte sprechen eine spezielle Zielgruppe, bzw. den durchschnittlichen Repräsentanten dieser Gruppe an.
Durch die dynamische Inhaltsanpassung in digitalen Medien können zukünftig mehrere Zielgruppen abgedeckt werden. So können Inhalte in Ihrer Darstellung oder hierarchischen Anordnung flexibel, je nach Nutzer, dargestellt werden. Im bereits vorher beschriebenen XML-Workflow können alternative Formulierungen für beispielsweise jüngere Zielgruppen hinterlegt werden. Auch die Auswahl oder Priorisierung von Videos oder Fotos kann so gesteuert werden. Legt ein Nutzer wert auf qualitativ hochwertige Videosequenzen werden kurze zusätzliche Clips mit geringerer, eher dokumentarischer Qualität beispielsweise nicht angeboten. Auch Regionalisierungen oder Priorisierungen von aktuellen Meldungen zB. die Fahrzeugmarke des Lesers betreffend, sind so problemlos möglich. Hintergedanke dieser Empfehlung jedoch ist, das Gewinnen neuer Zielgruppen und neuer Nutzer zur Auflagen bzw. Download-Steigerung.

3. Dialog mit dem Nutzer

Digitale Zeitschriften sollten alle Anforderungen erfüllen, welche die Nutzer aus dem Web 2.0, dem sozialen Web bereits kennen und nutzen. War bisher im gedruckten Bereich nur eine Markenindetifikation, möglich so ist die Beziehungsebene einer digitalen Zeitschrift tiefer, bis hin zu den Einzelpersonen hinter der Zeitschrift.
Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche digitale Umsetzung einer Zeitschrift ist daher das Verhältnis, Kommunikation und Interaktion zwischen Redakteur und Leser neu zu definieren. Hier wird empfohlen mit dem Nutzer durch Interaktionsmöglichkeiten mit den Autoren eine gefühlte persönliche Beziehung aufzubauen. Weiter sollte den Nutzern ermöglicht werden, auch über die Grenzen der Zeitschrift hinaus mit anderen, sich über die Inhalte der Zeitschrift auszutauschen und mitzuteilen.
Die Zeitschrift der Zukunft sollte bis zu einem bestimmten Grad eigendynamisch sein und redaktionellen Inhalt mit User Generated Content verschmelzen und interagieren lassen.

4. Mobilität und Mehrwert bieten

Eine Printausgabe die auf einem mobilen Endgerätgelesen werden kann, ist keine digitale Zeitschrift sondern nur eine neue Verpackung für ein altes Medium. Eine digitale Zeitschrift ist kein Ableger der Printausgabe, sondern ein neues, eigenständiges Produkt mit komplett geänderten Anforderungen. Bisherige Lösungen, wie sie von Verlagen noch praktiziert werden, wie das zur Verfügung stellen von pdf-Daten der Printversion, ist im eigentlichen Sinne keine digitale Zeitschrift. Auch das Begrenzen der Inhalte auf ein einziges Wiedergabemedium wie das iPad ist nicht konsequent. Nur weil ein iPad mobil ist, ist es nicht die Zeitschrift, denn diese ist an das iPad gebunden wie heute schon die Druckerschwärze an das Papier. Jeder Versuch das Printprodukt in einer digitalen Verpackung anzubieten stellt nur einen Kompromiss, jedoch keine langfristige Lösung dar. Die erste Empfehlung lautet also, wie bereits im ersten Punkt angesprochen, künftig plattformunabhängig zu produzieren um echte Mobilität zu gewährleisten.
Die zweite Empfehlung ist, digitale Mehrwerte für den Leser des Gedruckten und für den Nutzer der digitalen Zeitschrift anzubieten. Der Weg  zu einer nachhaltig erfolgreichen digitalen Zeitschrift ist, die Möglichkeiten welche digital eröffnet, in Anspruch zu nehmen.

5. Vorbereitungen für die kommende Substitution von Print treffen

Dieser Punkt ist weniger eine Empfehlung als ein Einschwören auf die Zukunft.
Aller Voraussicht nach und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Print langfristig durch digital verdrängt.
Die Empfehlung ist also, dass sich der Verlag konsequent  von der Printmarke zur Medienmarke weiterentwickelt und entsprechend umstrukturiert und seine Rolle neu definiert.
Es wird empfohlen den digitalen Fortschritt als Verlag voranzutreiben. So muss auf Entwicklungen nicht reagiert werden sondern können diese aktiv mitgestaltet werden.
Steinzeit: PrintIm Detail bedeutet dies die Kannibalisierung von Print durch digital zu fördern. Print als Mittel einzusetzen die Leser auf das neue Medium aufmerksam zu machen und zu gewinnen. Beispiele hierfür wären, im Heft auf weiterführende Informationen im Web zu verweisen, oder das Einbetten von QR-Codes zu weiteren Bildern oder anderen multimedialen Zusatzinformationen. Weiter können Augmented Reality-Flächen im Heft abgedruckt werden, auf denen durch die Betrachtung durch mittels einer im Smartphone oder Tablet integrierten Kamera, 3D- oder interaktive Modelle erscheinen, oder abgedruckte Bilder animiert oder erweitert werden. Durch solche Funktionen werden langfristig dem Print-Nutzer die Vorteile digitaler Mehrwerte vermittelt und eine zukünftige Nutzerschaft gebunden.

 


Text und Fotos: Daniel Schneider



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