Buchhandel

Amazon verzögert Buch-Lieferungen: Buchhändler, Verleger und Börsenverein Schuld an Amazons Verhalten?

  • 21. Mai 2014

Liebe Buchhändler und Verleger, lieber Börsenverein,

seit einigen Tagen beobachte ich nun zunehmend amüsiert die Debatte zum Thema Verlags-Boykott bei Amazon.

Der Online-Versandhändler Amazon will einem Bericht zufolge Geschäftspartner mit verzögerten Auslieferungen unter Druck setzen. Amazon fordere von dem schwedischen Konzern Bonnier, zu dem bekannte deutsche Verlage wie Ullstein, Piper oder Carlsen gehören, höhere Rabatte bei der Belieferung mit E-Books.

“Frankfurter Allgemeine Zeitung”

Was lese ich in den sozialen Netzwerken… unmut unmut unmut… alle schimpfen und fordern Amazon auf, wieder zu liefern, reden von Machtmissbrauch und drohen mit rechtlichen Schritten usw… Autoren, Verleger, Vereine… allesamt beschimpfen sie das Verhalten von Amazon und verweisen dann immer wieder auf die kleinen “tollen” Buchhandlungen.

Aber wieso leistet sich Amazon so etwas? Ganz einfach… weil Amazon von euch nichts zu befürchten hat, weil ihr nur zahnlose Tiger seid… Kettenrassler, Blender, Berufsbetroffene…
Das Verhalten Amazon, nämlich gezielt Titel zurück zu halten, müsste doch zumindest einen von euch vielen vielen kleinen Buchhandlungen, wenigstens aber den Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf den Plan bringen, eine Webseite einzurichten, die über das Thema einerseits offiziell informiert, hauptsächlich aber speziell darauf angelegt wird, die von Amazon verzögerten Titel in Internet-gewohnter Geschwindigkeit zum Kunden zu schaffen. Eine passende Domain, breit angelegte PR-Aktion und BÄM!

In jedem Kritiker-Artikel, jeder Pressemeldung zum Thema, jedem Kommentar … sollte am Schluss stehen: “aber der Buchhandel wehrt sich, so können alle von Amazon verzögerten Artikel über “PassendeAktionsDomain.de” gewohnt einfach und innerhalb von 24 Stunden bestellt werden.”

Tragt diese Nachricht in die (soziale und digitale) Welt. Immer wenn ein Beitrag zum Thema geteilt, den Link zur Gegenkampagne mit ran, Pressemeldungen verschicken, Adword-Kampagne mit den Metas “amazon” “verzögerung” “boykott” … sich bei google eines der obersten Rankings erkämpfen durch einerseits Hintergrundinformationen zu dem Verhalten von Amazon, zum anderen durch gezieltes Marketing, dass auf dieser der Aktions-Seite alle Titel schneller als von Amazon bestellt werden können. Schreibt 1*-Rezensionen bei den betreffenden Titeln, mit dem Schwerpunkt, dass dieses Buch über eine andere Seite viel schneller zu beziehen ist als direkt über Amazon… lasst euch deswegen verklagen, macht das ganze öffentlich. Oder Koordinierte Newsletter-Aktion aller Buchhändler an seine Kunden, mit einem Link auf den eigenen Store und Hinweis auf die verzögerten Bücher… Allein mit dem Nennen und Listen dieser Bücher und einem KAUFEN-Knopf, schafft man interesse an diesen Büchern… insbesondere im Zusammenhang mit der öffentlichen Interesse am Thema.... usw… es gibt hier hunderte Marketing-Hebel auf der Welle einer solchen Aktion, die Amazon hier produziert ganz oben und vorne zu surfen.

Amazon hat euch seit Jahren die beste Steilvorlage für eine breit angelegte ProBuchhandel-Online-Kampagne geliefert, mit dem Potential eine eigene neue Vertriebsplattform zum Onlineversand von Büchern anzubieten, welche unter der Kontrolle des Börsenvereins, oder einem Zusammenschluss von Buchhändlern ist. Und ihr nehmt diese Steilvorlage… und schießt den Ball zurück, statt ihn im Tor zu versenken…

Und genau deshalb… leistet sich Amazon diese Aktion… weil Amazon keine Angst vor euch hat, weil ihr keine Bedrohung seid.
Und deswegen wird  Amazon den “Kampf” auf dauer gewinnen… es ist einfach kein gegner in “Sicht”… hören ja, sehen nein…

Und ein wirklicher Zusammenschluss unter Verlagen und Buchhändler bröckelt eh bevor dieser sich etablieren kann…

 

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Hier noch ein passender Artikel zum selben Thema von Stefanie Leo:  Lasst mich bloß in Ruhe mit eurer Amazon-Meckerei!
Ihr Fazit: “Lasst mich bloß in Ruhe mit eurer Amazon-Meckerei!” – Solange der Buchhandel kein adäquates Partnerprogramm für Buchblogger, Autoren etc. bietet, müsst ihr euch nicht wundern, dass wir zum großen “A” verlinken.

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——– UPDATE ——–

Ich habe als Antwort auf meine Frage nach einer echten Aktion welche sie das Skandälchen von amazon zu nutze macht folgenden Link bekommen:
Ein offener Brief, veröffentlicht im BuchMarkt mit dem Titel “Offener Brief an und wegen Amazon: “Ausnutzen von Marktmacht ist nicht nur bedrohliches Zeichen für die Buchbranche, sondern auch ein klarer Affront gegenüber den Lesern”

Der Buchkäufer hat die Wahl und kann ein Zeichen setzen: Tausende Buchhändlerinnen und Buchhändler in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg freuen sich, jedem Leser seine Buchwünsche zu erfüllen: Schnell, sachkundig, über Nacht, wenn der Titel lieferbar ist, und mit einem echten Lächeln im Gesicht.

Die Unterzeichner sind Mitglieder der über 820 Mitglieder zählenden Facebook-Fachgruppe „Buchhandelstreff“.

Wirklich? Das ist also die groß angelegte Aktion, ein lahmer Apell an die Kunden in Buchhandlungen zu gehen. kein Link, keine Webseite, kein Zusammenschluss. Einfach nur ein “der Kunde muss was tun… wir sind ja eh da”

Wäre es 2004 wäre ein offener Brief als Reaktion ja vielleicht noch ok, aber wo sind die alternativen Vertriebswege, die Liste der verzögerten titel, Direkt-Links zu einer Webseite mit Bestellmöglichkeiten und mehr Infos…

Mir bleibt hier nur zu sagen: q.e.d. Exakt dies meinte ich, dass die Branche keine wirkliche Bedrohung ist… denn der Brief ist auch nichts mehr als lautes Gebrüll…

Und es gibt ja nicht nur den  Börsenverein, der könnte eh wohl nur vielleicht mal wieder libreka ins Spiel bringen… hätte sich die Schnappsidee doch gelohnt…  Aber sowas könnte eine Online-Affine Buchhandlung mittlerer Größe selbst umsetzen… oder sich hier online organisieren und statt Briefe schreiben Taten vollbringen und in die Gegenoffensive gehen, wie gesagt, wenn nicht jetzt, wann dann?

Zum Abschluss noch ein Lichtblick den ich gefunden habe: Das ist der richtige Weg, wenn auch noch ein sehr schmaler: Unabhängige Buchhändler planen gemeinsamen Amazon-Rivalen

 

 

 

Daniel Schneider



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